Was passiert ist
Am 14. September startete die IFPI, der Branchenverband der Tonträgerindustrie, die Streaming Integrity Initiative (SII), eine Selbstverpflichtung von Vertrieben und anderen Musikunternehmen zur Bekämpfung von Streaming-Betrug. IFPI-CEO Victoria Oakley sagte: „Streaming-Betrug täuscht Fans und entzieht rechtmäßigen Artists und Songwritern Einnahmen, die ihnen zustehen – das ist Diebstahl, schlicht und einfach.“
Wozu sich die Unterzeichner verpflichten
- Robuste Systeme zur Überprüfung von Kunden und Rechteinhaberschaft zu betreiben.
- Inhalte zu prüfen, um Rechtsverletzungen, betrügerische Aktivitäten und KI-bezogene Risiken zu erkennen.
- Vermuteten Betrug zu erkennen, zu untersuchen und einzudämmen, einschließlich Maßnahmen gegen Wiederholungstäter.
- Erkenntnisse mit Konkurrenten zu teilen, damit böswillige Akteure nicht einfach zu einer anderen Plattform wechseln können. Engadget merkt an, dass dies gilt, soweit rechtlich zulässig.
- Ihre Anti-Betrugs-Systeme zu messen und kontinuierlich zu verstärken.
Wer unterzeichnet hat und wer nicht
Complete Music Update nennt als Unterstützer unter anderem Absolute Label Services, CmdShft, Ditto Music, GoDigital, HYBE, IDOL, InnerCat Music Group, Redeye, RouteNote, Secretly Distribution, Symphonic und Too Lost sowie die Vertriebssparten von Sony Music, Universal Music und Warner Music. Auch die Branchenverbände IMPALA und Merlin unterstützen die Initiative.
Complete Music Update weist darauf hin, dass Believe, TuneCore und DistroKid fehlen. DistroKid gilt Berichten zufolge weithin als größter DIY-Vertrieb. Wir haben keine Stellungnahme dieser Unternehmen zu der Initiative gesehen.
Warum das für unabhängige Artists wichtig ist
Betrug bei Streamingdiensten entzieht einem gemeinsamen Tantiemen-Pool Geld, weshalb Labels, Vertriebe und Plattformen gleichermaßen auf Kontrollen drängen. Die neue Selbstverpflichtung setzt die Last am frühesten Punkt an: in dem Moment, in dem ein Vertrieb einen Upload annimmt.
AnalyseWenn die Vertriebe ihre Zusagen umsetzen, sollten ehrliche unabhängige Artists mit mehr Identitäts- und Rechteprüfungen bei der Anmeldung oder beim Upload rechnen, und womöglich mit mehr Fragen dazu, wie ein Track entstanden ist. Das ist Reibung, aber auch der Preis dafür, echte von betrügerischen Veröffentlichungen unterscheiden zu können. Die Zusagen sind weit gefasst. Die Ankündigung sagt nicht, wie die Überprüfung funktionieren soll, was ein „Wiederholungstäter“ ist oder wie ein zu Unrecht markierter Artist Einspruch einlegen kann.
Was noch unklar ist
- Durchsetzung: In der von uns gesichteten Berichterstattung wurden weder Sanktionen bei Nichteinhaltung noch ein Umsetzungszeitplan genannt.
- Ob sich die fehlenden Vertriebe anschließen werden.
- Was der Datenaustausch zwischen Vertrieben für einen zu Unrecht markierten Artist bedeutet.
- Das Ausmaß des Problems. Die von uns gesichteten Berichte enthielten keine Zahlen zu entgangenen Einnahmen oder betroffenen Streams.


